Was haben Holzscheide, Rotwein, Zwiebeln und Glaskugeln gemeinsam? Sie alle waren die Stars unseres letzten Fotoabends. Am Donnerstag, den 12.03.26, verwandelte sich unser Seminarraum in ein kleines, aber feines Produktfotostudio. Das Thema: Fotografieren mit dem Lichtzelt. Wer dachte, Produktfotos seien langweilig, wurde an diesem Abend eines Besseren belehrt.
Für viele Fotografen sind sie eine Art Geheimwaffe: Lichtzelte, oft auch Fotozelte oder Aufnahmetische genannt. Ihr Zweck ist simpel, aber effektiv. Sie wirken wie ein riesiger Diffusor, der das harte Licht von Lampen oder Blitzen schluckt und gleichmäßig um das Objekt verteilt. Das Ergebnis? Produktfotos ohne störende Schatten und hässliche Reflexionen. Genau das wollten wir praktisch ausprobieren.
Praxis-Test: Faltbox vs. LED-Würfel
Wir hatten für den Abend zwei unterschiedliche Setups vorbereitet, damit jeder die Unterschiede selbst erleben konnte:
Ein klassisches Falt-Lichtzelt im Softbox-Stil, beleuchtet von zwei externen Lampen oder ein LED-Lichtwürfel mit eingebauten Lichtleisten.
Unsere Mitglieder hatten eine bunte Mischung an Gegenständen mitgebracht. Holzscheide, Blumenvasen, Zwiebeln und Glaskugeln warteten darauf, ins rechte Licht gerückt zu werden. Besonders spannend wurde es bei den Gläsern, gefüllt mit Rotwein oder „blubbernden“ Flüssigkeiten. Glas und Flüssigkeiten sind die Königsdisziplin der Produktfotografie, da sie jeden Lichtstrahl reflektieren.
Schnell wurde klar: Das Lichtzelt nimmt einem zwar die grobe Arbeit ab, aber der Feinschliff fehlt oft. Hier kam der kreative Teil des Abends. Mit zusätzlichen Taschenlampen bewaffnet, setzten wir gezielte Akzente, um Konturen hervorzuheben oder einzelne Stellen aufzuhellen. Dabei entstanden nicht nur tolle Bilder, sondern auch ein reger Austausch über Perspektiven, die perfekte Schärfentiefe, Linienführung und die richtige Zeit/Blenden-Kombination.
Anbei ein paar Impressionen vom Fotoabend mit dem Lichtzelt:
Die Typenlehre: Welches Zelt für wen?
Falls ihr nun selbst mit dem Gedanken spielt, euch ein Lichtzelt zuzulegen, haben wir hier die wichtigsten Typen zusammengefasst, die wir am Abend besprochen haben:
1. Das klassische Falt-Lichtzelt (Softbox-Stil)
Der günstige Standard für Einsteiger. Es besteht aus weißem, lichtdurchlässigem Stoff, der über einen Federstahlrahmen gespannt ist.
Funktionsweise: Es wird von außen mit Fotolampen oder Blitzen beleuchtet.
Vorteile: Sehr günstig, flach faltbar und leicht zu transportieren.
Nachteil: Man benötigt zwingend separate Lichtquellen.
2. LED-Lichtwürfel (All-in-One)
Die LED-Leisten sind bereits an der Oberseite oder den Seiten eingebaut. Oft sind die Innenwände silberbeschichtet, um das Licht maximal zu reflektieren.
Funktionsweise: "Plug & Play". Licht an, Kamera an, fertig.
Vorteile: Schnell einsatzbereit, oft dimmbar.
Nachteil: Das Licht ist weniger flexibel positionierbar als bei externen Lampen.
3. Aufnahmetische (Still-Life-Tische)
Die Profi-Alternative für größere Objekte. Kein Zelt, sondern eine nach hinten gebogene Plexiglasplatte (Hohlkehle).
Funktionsweise: Beleuchtung ist von überall möglich, auch von unten.
Vorteile: Eliminiert Schatten unter dem Produkt komplett. Ideal für Glas/Flaschen.
Nachteil: Sperrig und meist teurer.
Marktübersicht: Hersteller im Blick
Hier sind einige Hersteller für Lichtzelte:
Neewer bietet eine riesige Auswahl an LED-Lichtwürfeln.
Puluz ist spezialisiert auf kompakte, tragbare Boxen (ideal für Smartphone-Fotos).
Godox punktet mit hoher Farbtreue (CRI-Wert).
Orangemonkie (Foldio) bietet hochwertige, magnetisch faltbare Zelte und smarte Drehteller.
Bresser (Deutschland) liefert robuste und auch sehr große Zelte.
Havox ist bekannt für sehr lichtstarke LED-Lösungen.
Falcon Eyes (breite Palette an Tischen und Zelten)
Dörr ist oft im Fachhandel zu finden.
Es war mal wieder ein produktiver, lehrreicher Abend, der gezeigt hat, wie viel Spaß auch „geplante“ Fotografie im Seminarraum machen kann. Bis zum nächsten Mal!
Eure Freitagsfotografen













